Eingründung

Das Konzept der Ausgründung ist vielen Unternehmern gut bekannt. Hier erhält meist ein Mitarbeiter durch eine Erfindung (Invention) oder eine neuartige Anwendungsidee (Innovation) bei bzw. durch seine Arbeit in einem bestehenden Unternehmen die Gelegenheit, die Erfindung oder Neuerung in einem “eigenen”, neuen Unternehmen, in einer sog. Ausgründung, umzusetzen.

Sein ehemaliges Unternehmen hat in dieser Situation meist kein Interesse an der Eigenverwertung der Idee oder es sprechen andere Gründe, z.B. Kostenstrukturen für festangestelltes Personal in einer Tarifvertragsstruktur, dagegen. Das ehemalige Unternehmen beteiligt sich aber oft an dem neuen Unternehmen, es wird ggf. zum Geldgeber oder es öffnet partnerschaftlich Absatzwege, etc.

Die Eingründung nimmt das Konzept der Kooperativen Innovation auf und geht den spiegelbildlich seitenverkehrten Weg der Ausgründung. Bei der Eingründung geht es entsprechend darum, dass ein innovativer, oft neuer Unternehmer mit einer anderen Person, die eher im Bestand unternehmerisch tätig ist, zusammenarbeitet und sein Konzept in ein bestehendes Unternehmen kooperativ einbringt, das den Innovationsweg (ohnehin) beschreiten will.

Dazu ein Beispiel.

Angenommen ein Unternehmer möchte einen Onlinebaumarkt gründen und Baustoffe online darstellen, verkaufen und ausliefern. Dieser Unternehmer müßte nun (regelmäßig, im Beispiel soll es nicht um Sonderkonstruktionen gehen) zuerst selbst einen niedergelassenen Betrieb gründen (mit allem Gründungsaufwand), die Waren ins Lager nehmen (was hohe Investitionen erfordern würde), einen Innendienst und eine physische Retourenabteilung aufbauen (das ist finanzieller und erheblicher organisatorischer Aufwand) sowie alle steuerlichen und verwalterischen Abläufe organisieren. Abgesehen davon, dass der erforderliche Betriebsumfang bis zum ersten Onlineverkauf den tatsächlichen Onlineverkauf verzögert, leistet sich das neue Unternehmen den teuren Luxus eines eigenen Betriebsablaufs. Es könnte sein, dass der Onlineshop deshalb scheitert oder der unternehmerische Erfolg erst nach langer Zeit eintritt.

Und das obwohl, in unserem Beispiel, gerade zur selben Zeit ein Bestandsunternehmen aus dem Baustoffhandel die Einführung eines Onlineshops prüft. Dieses andere Unternehmen muss zuerst das notwendige Know-How aufbauen und dies Leistung parallel zum Tagesgeschäft bewerkstelligen. Das Projekt kann so kritisch werden, dass die hohen neuen Kosten, das fehlende Fachpersonal und der mangelnde Fokus auf das Tagesgeschäft das neue Projekt und ggf. sogar das Bestandsunternehmen in Schieflage bringen können. Ein risikoreiches Unterfangen mit ungewissem Erfolgsausgang.

Würden beide Unternehmer zusammenarbeiten und den Weg gemeinsam gehen, könnte die eine Seite Ihre Bestandskompetenzen und das Erfahrungswissen eines niedergelassenen Betriebes einbringen. Die andere Seite könnte die Innovation relativ leicht umsetzen und gemeinsam würde schneller und mit deutlich weniger Risiko eine gute Erfolgschance entstehen.

Diese Form der Kooperation, die wegen Ihrer Kooperationstiefe auch organisatorisch weit über ein Joint Venture hinaus geht, hat z.B. zahlreiche rechtliche Herausforderungen zu meistern. Auch bleiben wettbewerbsrechtliche Überlegungen zu klären und Kooperation braucht immer auch ein kooperatives Mindset. Jedoch ist die Eingründung ein schlüssiges Konzept, insbesondere im Innovationsbereich. Für einen modernen Unternehmer dürfte Kooperation ohnehin kein Fremdwort sein.

Das Konzept der Eingründung kennt selbstverständlich die Co-Opetition, hat aber eine deutlich längere Bindungsdauer und eine ausgeprägte Bindungstiefe, was sie Konzepte unterscheidet.

Vom Crowd-Founding (geimeinsames Gründen) grenzt sich die Eingründung in der Art ab, dass im Crowd-Founding die Anwender in einer “Unterversorgungssituation” den Bedarf bestimmen (es geht hierbei weniger um Invention oder Innovation) und ein neues Unternehmen maßgeschneidert gegründet wird.

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